Vor rund 80 Jahren war der „Einkaufskorb auf Rädern“ eine Sensation, beim Großeinkauf am Wochenende wären heute viele ohne ihn aufgeschmissen. Mit der Selbstbedienung ist das „Fahrgestell mit Einkaufskorb“ auch im Familienunternehmen Prechtl eingeführt worden. Ein Gespräch mit Andreas Prechtl über Akzeptanz der Shopping-Hilfen, Entwicklungen und Wartung.

Im Lebensmitteleinzelhandel haben Sie täglich mit Einkaufswagen zu tun. Wann hielt der erste bei Prechtl Einzug – und wie viele schieben sich heute durch Ihre Märkte?

Mit der Eröffnung des ersten Selbstbedienungsladens im ganzen Landkreis Rosenheim 1958, die seinerzeit mein Großvater eingeführt hat, haben wir auch den ersten Einkaufswagen bekommen. Damals waren es jedoch noch keine aus massivem Drahtgeflecht wie heute, sondern es gab zunächst Fahrgestelle für ganz normale Einkaufskörbe. Zwei Körbe, die untereinander gestellt wurden, konnten so durch den Laden geschoben werden. 

Heute betreiben wir insgesamt drei Märkte, durch die jeweils 200 Einkaufswägen geschoben werden können. In den vergangenen Jahren haben sich auch Design und Ausstattung vom „normalen Korb“ weiterentwickelt und durch unterschiedliche Modelle den verschiedenen Bedürfnissen der Kunden angepasst – von speziellen Wagen für Getränkekisten über Standardwägen mit einer Sitzschale für Babys oder einer Stütze und Sitzfläche für ältere Kunden, ähnlich einem Rollator. Auch „Spaßmobile“ für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren gibt es, mit denen sich die kleinen Kunden wie in einem Rennwagen fühlen und entspannt von den Eltern durch den Markt geschoben werden können.

Der US-amerikanische Erfinder musste viel Überzeugungsarbeit leisten, damit das moderne Hilfsmittel angenommen wurde. Wie war das bei Ihnen? Wie wurde der Einkaufswagen aufgenommen?

Mit der Akzeptanz der Kunden hatten wir gar keine Probleme. Mit dem Start der Selbstbedienung im Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland sind auch die Einkaufswagen bereits sehr gut angenommen worden – denn für die Kunden waren und sind sie eine große Erleichterung.

Für den Wochenendeinkauf einer Großfamilie kann der Korb auch schon mal gut gefüllt sein. Wie belastbar ist ein Einkaufswagen heute?

Er hält mindestens 100 Kilogramm aus, je nach Modell. Damit ist ein Überfüllen oder Überlasten ausgeschlossen – selbst wenn noch zusätzlich gleich zwei Kinder im Wagen sitzen, was manchmal vorkommt.

Ist ein Einkaufswagen bei Ihnen zum Beispiel in Größe und „Ausstattung“ mit jenen der europäischen Nachbarn vergleichbar? Oder gilt der Grundsatz: „Zeig mir deinen Einkaufswagen, und ich sage dir, wo du wohnst“?

Im Ausland und bei deutschen Discountern werden Einkaufskaufwagen mit einem tiefen Boden eingesetzt. Dies soll bei den Kunden den Eindruck erwecken, dass sie noch gar nicht so viel eingekauft haben. Bei uns ist die „Ladefläche“ höher, da es für die Kunden so viel bequemer ist. Sie müssen sich insbesondere beim Ausräumen der Einkaufswagen an der Kasse nicht so tief hinunter beugen.

Wie viele Wagen müssen pro Jahr bei Ihnen ausgetauscht werden – oder gehen verloren? Und wo kommen sie her?

Unsere Einkaufswagen werden von der Wanzl Metallwarenfabrik GmbH mit Sitz in Leipheim hergestellt. Das ist der weltweit größte Hersteller von Einkaufswagen und Gepäcktransportwagen. Alle Wagen bei uns werden zweimal im Jahr von einer Fachfirma intensiv gereinigt und gewartet. Kaputt gehen im Jahr in unseren Märkten etwa zehn Wagen. Sie werden allerdings nicht ausgetauscht und weggeworfen, sondern stets repariert. Meist gehen nur die drehbaren Räder kaputt. Diese können einfach ausgetauscht werden. Abhanden kommen im ländlichen Bereich – anders als in mancher Großstadt – sehr selten Einkaufswagen. In größeren Städten werden die Wagen aber manchmal auch von Kunden benutzt, um ihre Waren direkt nach Hause zu schieben. Und dann werden sie öfter nicht zurückgebracht. Dies stellt für die Betreiber schon ein größeres Problem dar.

Wie sehen Sie die Zukunft des Einkaufswagens? Bleibt uns der Drahtwagen erhalten, oder begleiten den Einkaufenden künftig Roboter auf der Einkaufsroute?

In den nächsten Jahren wird uns der Drahteinkaufswagen sicherlich erhalten bleiben. In der Vergangenheit wurde öfter auch mit Wagen aus Kunststoffen experimentiert. Allerdings stellte sich heraus, dass diese reparaturanfälliger und nicht so lange haltbar sind. Die Zukunft zu prognostizieren ist schwierig, da die technische Entwicklung sehr rasch voranschreitet. Das sehen wir derzeit auch in anderen Branchen, beispielsweise mit selbstfahrenden Fahrzeugen in der Automobilindustrie. Vielleicht gibt es auch bald den selbstfahrenden Einkaufswagen.

Ein Interview von Nina Kallmeier – OVB